Susanne Hufnagl

Wissen · KI-Sichtbarkeit

Darf meine Klinik in ChatGPT genannt werden — und wie, ohne das HWG zu verletzen?

Wie ChatGPT, Perplexity und Google AI entscheiden, welche Klinik sie nennen — und wie Sie dort auftauchen, ohne gegen das Heilmittelwerbegesetz zu verstoßen.

Susanne Hufnagl · Zuletzt aktualisiert: 28. September 2026 · Lesezeit ca. 7 Min.

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Immer mehr Patient:innen suchen ihre Klinik nicht mehr bei Google, sondern fragen ChatGPT, Perplexity oder Google AI direkt: „Welche Klinik ist gut für …?" Damit stellt sich für Ästhetik- und Haarkliniken eine neue Frage an der Kreuzung von Marketing und Recht: Wie wird meine Klinik in solchen KI-Antworten überhaupt genannt — und zwar so, dass die Nennung nicht gegen das Heilmittelwerbegesetz (HWG) verstößt? Die gute Nachricht: Beides zieht in dieselbe Richtung. Was HWG-konform ist, funktioniert bei der KI oft am besten.

Warum HWG und KI-Sichtbarkeit zusammenpassen

Das HWG untersagt vor allem irreführende Werbung, Heilversprechen und bestimmte Vorher-Nachher-Darstellungen. KI-Systeme wiederum belohnen genau das Gegenteil von Werbesprache: sachliche, nachvollziehbare, belegbare Aussagen. Wer HWG-sauber formuliert, liefert der KI automatisch zitierfähigen Inhalt.

Darf meine Klinik mit Vorher-Nachher-Bildern werben?

Das ist die häufigste Frage im Ästhetik-Marketing — und die mit dem größten Abmahnrisiko. Für operative plastisch-chirurgische Eingriffe ist die vergleichende Darstellung des Aussehens vor und nach dem Eingriff nach § 11 Abs. 1 Satz 3 HWG verboten. Entscheidend und neu: Der Bundesgerichtshof hat dieses Verbot am 31. Juli 2025 (Az. I ZR 170/24) ausdrücklich auf Unterspritzungen mit Hyaluronsäure zur Formveränderung — etwa Nasen- oder Kinnkorrekturen — ausgeweitet. Solche Behandlungen gelten seither ebenfalls als operativer Eingriff im Sinne des HWG.

Praktisch heißt das: Klassische Vorher-Nachher-Gegenüberstellungen sind bei diesen Eingriffen tabu. Erlaubt bleibt die sachliche Darstellung von Verfahren und Ablauf. Rein oberflächliche Anwendungen (der BGH nennt zur Abgrenzung etwa Tätowierungen oder Ohrlochstechen) fallen nicht darunter — wo die Grenze im Einzelfall verläuft, gehört vor der Veröffentlichung anwaltlich geprüft.

HWG-riskant vs. HWG-sicher formuliert

Dieselbe Botschaft, zwei Formulierungen — links das Abmahnrisiko, rechts die tragfähige Variante:

ThemaHWG-riskantHWG-sicher formuliert
Erfolgsgarantie „Garantiert schmerzfrei — 100 % Erfolg."§ 3 HWG „Die meisten Patient:innen empfinden den Eingriff als gut tolerierbar; das Ergebnis ist individuell."
Vorher-Nachher-Bilder Gegenüberstellung „vorher / nachher" bei Nasenkorrektur oder Hyaluron-Unterspritzung.§ 11 Abs. 1 S. 3 HWG Sachliche Beschreibung von Verfahren und Ablauf, ohne vergleichende Ergebnisbilder.
Wirkversprechen „Faltenfrei in nur einer Sitzung."§ 3 Nr. 1 HWG „Hyaluron kann Falten für einen begrenzten Zeitraum sichtbar mildern; die Wirkung lässt mit der Zeit nach."
Patienten-Stimmen Werbliche Dank- und Erfolgsschreiben als Aushängeschild.§ 11 Abs. 1 Nr. 11 HWG Nüchterne, anonymisierte Falldarstellung ohne anpreisende Bewertung.
Fachliche Empfehlung „Von führenden Ärzten empfohlen" (ohne Beleg).§ 11 Abs. 1 Nr. 2 HWG Nachprüfbare Qualifikationen: Facharzttitel, Fortbildungen, Zertifikate mit Nachweis.
Krankengeschichten Dramatisierende Schilderung eines Behandlungsverlaufs zu Werbezwecken.§ 11 Abs. 1 Nr. 3 HWG Sachliche, anonymisierte Aufklärung zu Indikation, Ablauf und Grenzen.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Ich bin keine Rechtsanwältin; für die verbindliche Beurteilung Ihrer konkreten Werbung ziehen Sie bitte eine auf Medizin- bzw. Wettbewerbsrecht spezialisierte Kanzlei hinzu. Geprüft sind hier § 11 Abs. 1 S. 3 HWG (inkl. BGH-Urteil vom 31.07.2025) und § 3 HWG; die weiteren §-Zuordnungen sind vor Veröffentlichung anwaltlich zu bestätigen.

Was Sie sagen dürfen — und wie es die KI liebt

Sachliche Information statt Versprechen

„Wir garantieren ein perfektes Ergebnis" ist heikel und für die KI wertlos. „So läuft der Eingriff ab, das sind die üblichen Heilungszeiten, das die Risiken" ist HWG-freundlich und genau die Art Antwort, die eine KI zitiert.

Fragen ehrlich beantworten

Patienten fragen nach Risiken, Kostenrahmen, Ablauf und Alternativen. Ehrliche, ausgewogene Antworten schaffen Vertrauen, sind rechtlich sicherer und werden von KI-Systemen bevorzugt ausgespielt.

Der sicherste Weg durchs HWG ist zugleich der wirksamste für die KI: Information statt Werbung.

Typische Fallstricke, auf die ich achte

Wichtig: Ich sorge für sachliche, KI-lesbare Inhalte und mache auf Fallstricke aufmerksam — die verbindliche rechtliche Freigabe Ihrer Texte bleibt bei Ihnen bzw. Ihrer Rechtsberatung.

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Häufige Fragen

Kurz beantwortet.

Ist KI-Sichtbarkeit mit dem HWG vereinbar?

Ja, wenn sie auf sachlicher, belegbarer Information beruht statt auf Heilversprechen. Genau diese Art von Inhalt bevorzugen KI-Systeme ohnehin — HWG-Konformität und gute KI-Sichtbarkeit ziehen also in dieselbe Richtung.

Darf die KI meine Klinik überhaupt empfehlen?

Die KI trifft ihre Nennung selbst auf Basis öffentlich verfügbarer Informationen — das ist verdienter Inhalt, keine bezahlte Werbung. Ihre Aufgabe ist, korrekte, sachliche Informationen bereitzustellen; die rechtliche Endabnahme Ihrer Texte liegt bei Ihnen bzw. Ihrer Rechtsberatung.

Ersetzen Sie die rechtliche Prüfung?

Nein. Ich sorge für sachliche, belegbare, KI-lesbare Inhalte und weise auf typische HWG-Fallstricke hin. Die verbindliche rechtliche Freigabe bleibt bei Ihnen oder Ihrer Anwältin bzw. Ihrem Anwalt.

Darf meine Klinik mit Vorher-Nachher-Bildern werben?

Für operative plastisch-chirurgische Eingriffe ist die vergleichende Vorher-Nachher-Darstellung nach § 11 Abs. 1 Satz 3 HWG verboten. Der BGH hat dieses Verbot am 31.07.2025 (Az. I ZR 170/24) auf Unterspritzungen mit Hyaluronsäure zur Formveränderung (z. B. Nasen- oder Kinnkorrektur) ausgeweitet. Rein oberflächliche Anwendungen können anders zu bewerten sein — im Zweifel anwaltlich prüfen lassen.

Kann ich für HWG-Verstöße im Marketing abgemahnt werden?

Ja. HWG-Verstöße werden regelmäßig über das Wettbewerbsrecht (UWG) von Mitbewerbern und Wettbewerbsverbänden per Abmahnung verfolgt. Das kann Unterlassungsansprüche, Anwalts- und Gerichtskosten sowie Vertragsstrafen nach sich ziehen.

Susanne Hufnagl
Susanne Hufnagl
Diplom-Ingenieurin (FH) Prozessmanagement · Spezialistin für KI-Sichtbarkeit (GEO)

Ich mache Ästhetik-, Zahn- und Gesundheitskliniken in ChatGPT, Perplexity & Google AI sichtbar – gemessen, nicht geraten. Als Ingenieurin denke ich in Systemen: Welche Signale eine KI liest, warum sie eine Klinik nennt und wie man das prüfbar macht. Mehr über mich · LinkedIn

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